Lesestoff: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

DerHundertjährige

Vorab: Ich habe den gleichnamigen Film nicht gesehen, kann mir aber kaum vorstellen, wie man die genial lustige Erzählweise des Buches ohne große Verluste in einen Film umsetzen kann. Daher an alle, die den Film gesehen haben und daher meinen, sie können sich das Buch sparen: Ziemlich sicher ist es auch für diejenigen sehr lesenswert!

Zur Handlung: Allan Karlsson beschließt, an seinem hundertsten Geburtstag dem Trubel zu entgehen und das Altenhenheim zu verlassen – heimlich, durch das Fenster und ohne bestimmtes Ziel.

Während er zunächst nur vor denjenigen flüchtet, die ihn wohlbehalten wieder ins Heim zurückbringen möchten, ist ihm aufgrund diverser verrückter wie makaberer Vorkommnisse auch bald die Staatsgewalt und eine Verbrecherbande auf den Fersen. Im Laufe seiner Reise gewinnt er immer mehr Verbündete und Mitreisende, die gar nicht anders können, als mitzukommen, da sie in die erwähnten makaberen (aber mit zum schreien trockenem Humor erzählten) Ereignisse verstrickt werden.

Abwechselnd mit dieser verrückt-vergnüglichen Jagd erzählt das Buch die Lebensgeschichte Allans, die sich hauptsächlich im politischen Weltgeschehen rund um die Erfindung und Verwendung von Atomwaffen und dem damit einhergehenden Ränkespiel der Atommächte abspielt. Nun ist ja Politik und Geschichte so gar nicht mein Ding. Allerdings sieht Allan das ebenso und so werden die politischen Wichtigkeiten in einem dermaßen flapsigen Stil beschrieben, dass es selbst für mich das reinste Vergnügen war. Gegen Mitte des Buches zieht sich der „geschichtliche“ Teil meiner Meinung nach etwas, wird aber dann so gut, dass ein Lacher dem anderen folgt und das wettmacht.

Zwei Leseproben möchte ich euch nicht vorenthalten. Nr. 1, aus dem in der Gegenwart spielenden Teil:

Es sah ganz so aus, als hätte Bosse eine Antwort auf Bennys Antwort, worauf Benny auch wieder eine Antwort auf Boses Antwort gehabt hätte, doch da unterbrach Allan das Gekabbel der Brüder mit der Bemerkung, er sei weit in der Welt herumgekommen, und eines habe er dabei gelernt, nämlich dass die größten und unmöglichsten aller Konflikte immer auf derselben Grundlage bruhten: ²Du bist doof, nein, DU bist doof, nein, DU bist doof!“ Die Lösung lag oft darin, dass man zusammen eine Flasche Schnaps leerte und nach vorn blickte. […] „Eine Flasche Schnaps würde also den Konflikt zwischen Israel und Palästina lösen?“, fragte Bosse. „Der geht doch zurück bis in biblische Zeiten.“ „Es könnte gut sein, dass man für diesen Konflikt mehr als eine Flasche veranschlagen müsste“, erwiederte Allan. „Aber das Prinzip bleibt dasselbe.“ „Könnte das nicht auch funktionieren, wenn ich was anderes trinke?“, schlug Benny vor. Mit seiner strengen Abstinenzlereinstellung führlte er sich gerade wie ein Störfaktor des Weltfriedens.

Und Leseprobe Nr. 2, aus Allans „politisch-geschichtlicher Vergangenheit“:

Wahrscheinlich hatte sich der nette Mann verzählt. Oder der Kommandeur des U-Boots hatte nicht so akkurat gearbeitet, wie er sollte. Auf jeden Fall brach das siebenundneunzig Meter lange U-Boot viel zu nahe neben ihnen durchs Eis. Die beiden fielen hintenüber und wären um ein Haar ins eiskalte Wasser geplumpst. Doch es ging noch einmal gut, und wenig später half man Allan hinunter in die Wärme. „Da sieht man mal wieder, wie sinnvoll es ist, morgens nicht lange herumzuraten, wie der Tag wohl enden wird“, kommentierte Allan. „Ich meine – wie lange hätte ich herumraten müssen, bis ich DAS hier erraten hätte?“

Mein Fazit: Pures Lesevergnügen mit einer Prise schwarzem Humor!

Den Film werde ich mir sicher noch ansehen, jedoch mit der Befürchtung, enttäuscht zu werden, denn das Buch lebt von der verrückt-humorvoll-sarkastischen Erzählweise, die ich mir als Film-Umsetzung so nicht vorstellen kann.

Und zum Schluss wie immer meine Bitte an alle Leselustigen: Bestellt das Buch in eurem örtlichen Buchladen unter ISBN: 978-3-442-74492-3

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